Call for Papers

Farbe auf Zeichnungen der frühen Neuzeit – Symbiose und Antagonismus

Bibliotheca Hertziana (Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte)

Rom, 25. – 27. Oktober 2017

Deadline: 18. April 2017

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Die diesjährigen Gernsheim-Studientage widmen sich dem Aspekt der Farbe in der Handzeichnung der frühen Neuzeit, deren Struktur und Erscheinungsform in einem genuin nicht farbigen Medium punktuell wie prinzipiell untersucht werden sollen. Insofern Farbe über Naturnachahmung hinaus mit Kostbarkeit oder gar Überschwänglichkeit konnotiert ist, wird diese „optionale“ Zutat auf Handzeichnungen zu einer spannungsgeladenen Darstellungskomponente. Nicht zuletzt stellen sich dabei verschiedentliche Diskrepanzen zwischen kunstkritischen Schriften und Kunstwerken, zwischen Theorie und Praxis, heraus. Es soll daher der Frage nachgegangen werden, welche Aufgabe Kolorierungen in Zeichnungen übernehmen und ob sie Hinweise auf den Status der Blätter selbst geben können. Handelt es sich beispielsweise um Studienmaterial aus einem auf eine Malerei gerichteten Werkprozess – lässt sich also mit einer Kolorierung eine spezifische Nähe zum Zielmedium vermuten –, oder alternativ um ein abgeschlossenes Werk. Insbesondere an das im 16. Jahrhundert noch junge Phänomen der Sammlerzeichnung knüpfen sich Überlegungen zur (Eigen-)Wertigkeit von Bildgehalt und -gestalt, zu Semantik und Ästhetik und ihrem jeweiligen Bezug zu einer etwaigen Öffentlichkeit.
Interpretationszusammenhänge von gesteigertem Realitätsniveau versus Abstraktion, Evokation versus Distanzierung, oder Medienreferenz versus Faktur sollen zentrale Aspekte der Vorträge sein. Nicht zuletzt der künstlerische Austausch über die Alpen hinweg macht eine transregionale Betrachtung erforderlich, um Differenzierungen in produktions- wie rezeptionsästhetischem Hinblick vornehmen zu können.
Der Diskurs zielt vorrangig auf die Verwendung farbiger Zeicheninstrumente wie Tinten, Kreiden, Wasserfarben, Gouache etc. ab, farbige Grundierungen sollen nur am Rande eine Rolle spielen. Folgende Fragen stehen im Zentrum der Tagung:
Welche Aspekte sind der Verwendung von Farbe in Zeichnungen eingeschrieben und welche zunächst heuristischen Kategorien lassen sich daraus bilden? Hebt sich Farbe als eigenes Darstellungsmittel ab oder fügt sie sich symbiotisch in den graphischen Modus ein?
In welcher Hinsicht wirkt sich Farbe als Evidenzfaktor aus, wo und wie erfolgt der Aushandlungsprozess mit der Wirklichkeit als sichtbarer Bezug einer ästhetischen Kategorie?
Von welchen Motivationen hängt der Gebrauch oder die Vermeidung von Farbe in Zeichnungen ab? Öffnet Farbe einen Denkraum über das zu Bezeichnende hinaus?
Schließlich lässt sich fragen, ob Ressentiments gegenüber dem Gebrauch von Farbe, wie sie etwa in Vasaris Einschätzung zum Verhältnis von colore – disegno zum Ausdruck kommen, den Umgang mit Farbe für die nachfolgende Zeichenkunst veränderten. Wenn Karel van Mander bereits der Zeichnung malerische Qualitäten zuspricht, inwiefern bleibt Farbe dann eine potentielle Hinzufügung? Und laufen Kolorierungen Gefahr, über die graphischen Eigenheiten der Zeichnung hinwegzutäuschen?

Bitte senden Sie bis zum 18.4.2017 Ihr Exposé mit Lebenslauf an gernsheim(at)biblhertz.it . Die Bibliotheca Hertziana übernimmt die Kosten für Reise (economy class) und Unterbringung gemäß den Vorgaben des deutschen Gesetzes zur Übernahme von Reisekosten.
Konzept und Organisation: Iris Brahms (Kunsthistorisches Institut der Freien Universität Berlin), Tatjana Bartsch und Johannes Röll (Fotothek der Bibliotheca Hertziana)