Lothar Sickel

Die Sannesi -
Geschicke einer Familie im barocken Rom.

Die Geschichte der Familie Sannesi bezeichnet ein mustergültiges Beispiel für die gesellschaftlichen Aufstiegmöglichkeiten und deren Vanität im päpstlichen Rom des 17. Jahrhunderts. Aus eher einfachen bürgerlichen Verhältnissen in der Provinz Camerino stammend, profitierten die Sannesi von ihrer engen Bindung an die Familie von Papst Clemens VIII. Aldobrandini (1592-1605) und gelangten so binnen kurzer Zeit in hervorgehobene Positionen innerhalb der geistlichen wie weltlichen Nobilität. Die Geschicke der Familie wurden wesentlich von den Brüdern Jacopo und Clemente Sannesi bestimmt, deren treue Gefolgschaft zu den Aldobrandini im Jahr 1604 mit der Verleihung der Kardinalswürde an Jacopo und mit der Erhebung Clementes zum Marchese von Collelungo honoriert wurde.

Persönliches Geschick und Protektion, aber auch Neid und bisweilen Hohn begleiteten den Aufstieg der Sannesi, der in der Ernennung von Clementes Sohn Francesco zum Herzog von San Demetrio seinen Höhepunkt fand. Sein früher Tod im Februar 1644 leitete den Niedergang der Familie ein, der nicht weniger rasant verlief wie ihre einstige Prosperität. Nachdem die direkte Erblinie schon zu Beginn des Settecento erloschen war, gingen Teile des Nachlaßes in den Besitz der angeheirateten Familie Orsini-de'Cavalieri über, bis auch deren Erbfolge im frühen 19. Jahrhundert endete. Durch ihr wechselvolles Schicksal ist das Andenken an die Sannesi weitgehend verloren gegangen. In der Topographie Roms findet sich kein Ort mehr, der unmittelbar an jene Familie erinnern würde. Neben der Rekonstruktion der noch undurchsichtigen Familiengeschichte wird es daher die Hauptaufgabe des Forschungsvorhabens sein, die Entwicklung ihres Besitzstandes an Immobilien und zumal deren Ausstattung aufzuarbeiten.

Im Blickpunkt der Betrachtung steht die Villa Sannesi auf dem Gianicolo, die einstige Hauptresidenz der Familie. Das Gebäude wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts zerstört, ist durch verschiedene Quellenzeugnisse aber soweit dokumentiert, daß die Anlage noch darstellbar ist. Der Palast beherbergte die bedeutende Kunst- und Antikenssammlung der Sannesi, mit deren Aufbau spätestens im Jahr 1601 begonne wurde. Die Rekonstruktion des ehemaligen Sammlungsbestandes, der Arbeiten von Caravaggio, Annibale Carracci, Gentileschi und Lanfranco umfaßte, ist als solche zwar grundlegend. Vor allem aber dient sie zur Klärung der Frage, welche Funktion Sammlungsaktivitäten und gezielte Kunstpatronage für eine Familie haben konnte, deren Angehörige weithin als Parvenüs galten und die deshalb in besonderer Weise um Anerkennung innerhalb der etablierten Nobilität Roms bemüht sein mußte.

Dieses Bestreben teilten die Sannesi natürlich mit zahlreichen anderen Familien, die im Umkreis der römischen Kurie zu reüssieren verstanden. Die daraus resultierenden synergetischen Effekte prägten auch den römischen Kunstbetrieb, indem das Prinzip der Familiarität, dem die Sannesi ihren Aufstieg zu verdanken hatten, auch den Künstlern zu Vor- oder Nachteil gereichte. Dieser Sachverhalt läßt sich am Beispiel des Architekten Mario Arconio veranschaulichen, der in der Hoffnung auf einen glanzvolle Karriere in die Dienste der Sannesi eingetreten war. Seine bislang noch kaum dokumentierte Laufbahn wird im Rahmen des Forschungsprojekts ebenfalls genauer zu untersuchen sein.

 

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