Die Bibliotheca Hertziana in Rom veranstaltet in der Zeit vom 15. September (Anreisetag) bis 26. September 2002 (Abreisetag) einen Studienkurs für deutschsprachige Doktoranden und jüngere promovierte Kunsthistoriker mit dem Thema "Barocker Klassizismus in Malerei und Skulptur des römischen Seicento" unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Sybille Ebert-Schifferer (Bibliotheca Hertziana, Rom).
Im kombinierten Rückgriff auf das Vorbild der Natur, die Werke der Antike
und der Hochrenaissance importierten di Carracci eine Reform-Malerei nach Rom,
die in Konkurrenz zum gleichzeitigen Caravaggismus trat und auf andere Weise
die Überwindung des Manierismus einleitete. Die Entwicklung des Barock nahm
von beiden Neuerungen ihren Ausgang. Die Methode der Carracci brachte eine
eigenständige Strömung des Barock hervor, die heute als
"klassizistisch" bezeichnet wird, da in ihr die retrospektiven
Elemente dominieren. Typisch für diese Richtung ist die Fähigkeit zur
Rezeption und Bildung eines Kanons, der in Giovan Pietro Belloris "ideale
classico" seine Ausformulierung fand. Mehr als andere Strömungen konnte
sie sich auf eine diskursive Explikation ihrer Prinzipien stützen, so dass
sie von Seiten der zeitgenössischen und akademischen Kunsttheorie starken
Rückhalt fand.
Der Kurs untersucht diese Entwicklung im römischen Seicento, wobei die
Einzelwerke Gelegenheit geben, die Optionen der Auftraggeber und Künstler
jeweils vor der Folie von Alternativen und im Spannungsfeld von Konkurrenzen
zu studieren. Ein Akzent liegt auf der Lektüre und Analyse der einschlägigen
Kunstliteratur des Seicento. Sie gibt Einblick in Wirkungsziele und
-mechanismen und lässt Werthaltungen erkennen, die über Stiloptionen
kommuniziert wurden.
Jeder Teilnehmer sollte den Stand der Forschung in einem kurzen Referat
(max. 30 Min.) referieren. Die Zahl der Teilnehmer ist auf 12 Personen
beschränkt. Die Bibliotheca Hertziana übernimmt die Kosten der Unterbringung
sowie 50% der nachgewiesenen Fahrtkosten, wobei 50% des entsprechenden Tarifs
der Deutschen Bahn zweiter Klasse die Obergrenze bilden. Ferner erhalten die
Teilnehmer einen pauschalen Unkostenbeitrag von Euro 170.
Diese Ausschreibung wird zusammen mit einer Themenliste an die
kunsthistorischen Institute und Museen versandt. Die Bewerber sind gebeten, daraus jeweils
zwei Themen vorzuschlagen. Sie erhalten im Juli Bescheid; bibliographische
Hinweise und Kursprogramme werden der Zusage beigefügt.
Die Bewerbungen mit Empfehlungsschreiben der Institutsleiter und einer
schriftlichen Arbeit (Seminararbeit oder Kapitel der Magisterarbeit bzw. der
Dissertation) sind bis zum 15. Mai 2002 zu richten an die Geschäftsführende
Direktorin der Bibliotheca Hertziana, Prof. Dr. Sybille Ebert-Schifferer, Via
Gregoriana 28, I - 00187 Rom.
1. Annibale Carracci und seine Werkstatt in der Galleria Farnese
2. Die Freskenausstattung des Aurora-Casinos auf dem Quirinal (Schwerpunkt:
Guido Renis "Aurora")
3. Figur und Landschaft: Annibale Carraccis und Francesco Albanis Lünetten in
der Galleria Doria Pamphilj sowie Albanis Tondi in der Galleria Borghese
4. Annibale Carracci im Wettstreit mit Caravaggio in der Cappella Cerasi
(Santa Maria del Popolo)
5. Domenichinos Caecilien-Historien in der Cappella Polet in San Luigi dei
Francesi (mit einem vergleichenden Blick auf Caravaggios Contarelli-Kapelle
ebendort)
6. "Barocker Klassizismus" in der Skulptur: Duquesnoys "Santa
Susanna" (Santa Maria di Loreto), Cordiers "Zingara" (Galleria
Borghese) und Cordiers Skulpturen in den Oratorien von San Gregorio al Celio
7. Die Freskendekoration der Oratorien bei S. Gregorio al Celio (Schwerpunkt:
Reni und Domenichino im Oratorio di Sant'Andrea)
8. Die Konkurrenz von Domenichino und Lanfranco in Sant'Andrea della Valle und
in San Carlo ai Catinari
9. Altarbilder in der Vatikanischen Pinakothek: Poussin (Erasmus-Martyrium),
Domenichino (Letzte Kommunion des Hl. Hieronymus), Reni (Petruskreuzigung) -
mit einem vergleichenden Blick auf Caravaggios "Grablegung"
10. Sacchis "Divina Sapienza", Cortonas "Divina Provvidenza"
und Chiaris "Apoll auf dem Sonnenwagen" im Palazzo Barberini
11. Die Ausgestaltung der Kuppelpfeiler in St. Peter (Schwerpunkte: Duquesnoys
"Sant'Andrea" und Sacchis Altarbilder)
12. Algardis "Vertreibung Attilas" und das Grabmal Leos XI. in St.
Peter (mit einem vergleichenden Blick auf Berninis Grabmal für Urban VIII.)
13. Carlo Maratti in St. Peter: die Mosaiken in der Cappella della
Presentazione und in der Taufkapelle
14. Francesco Albanis Fresken in der Galerie des Palazzo Verospi und im
Palazzo Giustiniani
15. Bildpropaganda einer Papstfamilie: Maratti und Canuti im Palazzo Altieri
16. Die Bildausstattung des Laterans- Baptisteriums: Der Täufer-Zyklus nach
Andrea Sacchi sowie die Wandbilder zur Konstantins-Vita von Carlo Maratti,
Andrea Camassei, Giacinto Gimignani und Carlo Mannoni
17. Skulpturaler "paragone" im Langhaus der Lateransbasilika: die
Apostel nach Entwürfen von Carlo Maratti