"Die geystlich Straß". Kreuzweganlagen des Spätmittelalters als immersive Ensembles urbaner Heilsvermittlung

Florian Abe, M.A.

Das Promotionsvorhaben widmet sich einer spätmittelalterlichen Objektgruppe von Kreuzweganlagen vor allem des nordalpinen Raums. Diese stehen anders als die italienischen Sacri Monti als Transpositionen der heiligen Stätten in einem urbanen Zusammenhang, in welchem sich die Topografie der loca sancta mit jener der heimischen Stadt überlagert. Untersucht wird, mit welchen Mitteln hier die Passion topologisch, zeitlich und in ihrem spirituellen Gehalt evoziert wird. Zentrale Bedeutung erhält die Frage, wie die einzelnen, in den Kreuzweganlagen als Gesamtensembles enthaltenen Medien wie Steinreliefs mit bildlichen Darstellungen des Leidensweges Christi, vollplastische Skulpturen wie Kreuzigungs- und Beweinungsgruppen und Architekturen wie Heiliggrabkopien und Golgathakapellen zusammenwirken und die Heilserfahrung der Pilgernden bestimmen. Damit sollen die Kreuzweganlagen als komplexe, räumlich-immersive Strukturen erschlossen werden, die das spezifische Vergegenwärtigungspotential der einzelnen Repräsentationsmedien in differenzierter Weise auf die Evokation der Passionsereignisse beziehen und den urbanen Raum zugleich als vielschichtigen Erfahrungsraum ihrer religiösen, sozialen und künstlerischen Dimensionen ausweisen.

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