Umgangsformen mit dem christlichen Erbe und der katholischen Kirche in der Kunst und Urbanistik des italienischen Faschismus

Dr. Christiane Elster

Neben der römischen Antike und dem auf dieser basierenden Rom-Mythos stellten die katholische Kirche und das christliche Erbe eine wichtige Referenz für die politische Inszenierung des faschistischen Regimes im Stadtraum und in den visuellen Kulturen dar. Den Ausgangspunkt des Forschungsprojektes bildet die Idee, das Gesamtbild der die Geschichte betreffenden Umgangs- und Aneignungsformen des italienischen Faschismus zu komplettieren. Denn es war nicht nur eine spezifische historische Epoche, welche das Regime für seine politische Propaganda instrumentalisierte; vielmehr spielten dabei mehrere Vergangenheiten und unterschiedliche historische Akteure eine Rolle.
Wie nutzte das faschistische Regime die Kirche und ihre Geschichte für die eigene Repräsentation und Propaganda? Welche Medien wurden dabei eingesetzt, wie wurden diese miteinander und mit kollektiven Riten im Stadtraum verknüpft und welches Bild des Regimes wurde so konstruiert? Bei der Untersuchung dieser Fragen gilt es, zwei Aspekte der Kirche zu berücksichtigen, die im Hinblick auf die faschistische Rezeption vermutlich nicht klar zu trennen sind:

  • Die katholische Kirche als Institution, d.h. als im Italien bzw. Europa der Zwischenkriegszeit präsenter Akteur, der eigene Interessen verfolgte und auf den das faschistische Regime reagieren musste.
  • Die Kirche als historisches Erbe, welches Mussolini für die eigene Propaganda reinszenierte und instrumentalisierte.

Geplant sind Fallstudien zu ausgewählten permanenten und ephemeren Formen der Inszenierung und Repräsentation des faschistischen Regimes, in denen Bezüge zur Kirche und ihrem Erbe auftauchen. Insgesamt geht es darum, am Beispiel der Rezeption der Kirche durch das Regime zu fragen, wie der italienische Faschismus sich für seine Propaganda und Selbstdarstellung die Gesamtheit visueller Kultur zunutze machte, die oft erst im Zusammenspiel mit der kultisch-rituellen Funktionalisierung des öffentlichen Raumes ihre Wirkung entfaltete. Untersucht werden sollen Interferenzen zwischen dem (gebauten) Stadtraum, seiner zeitlich wechselnden Bespielung durch kollektive Handlungsakte, und den Medien, welche diesen Raum und die in ihm vollzogenen kollektiven Performanzen repräsentierten. Die Stadt wird dabei als räumliches und soziales Gebilde verstanden.

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