Dignitas domus. Die (Selbst-)Inszenierung eines Konvents als städtische Institution

Dr. des. Katharine Stahlbuhk

Die Verzahnung profaner und kirchlicher (Macht-)Strukturen im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit beschreibt ein primäres Forschungsfeld in den historischen sowie bildwissenschaftlichen Disziplinen. Wie weit die Aneignung weltlicher "Diskurse" – in Wort und Bild – von Seiten geistlicher Einrichtungen reichen konnte, ist symptomatisch am Beispiel von Santa Maria Novella nachvollziehbar. In einer Vielzahl von Quellen und (Kunst-)Werken tritt eine Selbstdarstellung der Florentiner Dominikaner zutage, die als Inszenierung des Konvents als städtische Institution aufzufassen ist. Anhand punktueller Untersuchungen soll diese Inszenierung als eine das Gemeinwohl der Stadt determinierende Entität über einen längeren Zeitraum analysiert und entsprechend mögliche Entwicklungen in Relation zu gesellschaftlichen und politischen Veränderungen beleuchtet werden. Die zentrale Fragestellung, die den Ursachen und Modalitäten eines solchen Verständnisses als eines mit der civitas korrespondierenden Konstrukts auf den Grund gehen möchte, betrifft insbesondere die bildgebenden Verfahren, mit denen jenes (Selbst-)Bewusstsein zu unterschiedlichen Zeitpunkten visualisiert wurde. Darüber hinaus nimmt sich das Projekt die Aufgabe, eine komparative Analyse mit Santa Maria sopra Minerva vorzunehmen, um zu prüfen, ob die Inszenierung als städtische Institution, die sich in einer in den Studienobjekten zutage tretenden, auf die soziale Kohäsion einer Gemeinschaft ausgelegten Rhetorik manifestiert, ein breiteres Phänomen innerhalb des Dominikanerordens darstellt. Eine solch vergleichende Studie bietet sich vor allem aufgrund des regen Austausches – von Brüdern, Ordensgrößen sowie von Künstlerpersönlichkeiten bis hin zum Beherbergen des Papstes – und intensiven Verbindungen beider Häuser vor allem in den ersten Jahrhunderten ihrer Entstehung und ihres Wirkens an.

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