Maria auf Reisen. Vervielfältigung und Verbreitung marianischer Gnadenbilder in der hispanischen Welt

Nora Guggenbühler, M.A.

Im 17. Jahrhundert stellte die Verehrung marianischer Gnadenbilder längst ein globales Phänomen dar, wie Wilhelm Gumppenbergs zweite Ausgabe des Atlas Marianus (1672) deutlich vor Augen führt, in dem Berichte zu 1200 Gnadenbildern aus der ganzen Welt zusammengestellt sind. Viele dieser wundertätigen Bildnisse sind weit gereist, um am Ort ihrer Bestimmung die ihnen gebührende Verehrung zu erfahren. Daneben wurde im Zeitalter der Konfessionalisierung die Distribution ihrer Kopien intensiv genutzt, um eine Erweiterung und Verdichtung der marianischen Gnadenstätten in der Alten wie auch Neuen Welt zu erwirken. Doch auch wenn spätestens seit Belting (1990) und Freedberg (1989) das Kultbild im Fokus internationaler kunsthistorischer Forschung steht, so fehlt eine systematische Darstellung der Rollen von Gnadenbildkopien innerhalb regionaler und überregionaler Kulttopografien der Frühen Neuzeit. Das Dissertationsprojekt hat daher zum Ziel, das Kopienwesen rund um die marianischen Gnadenbilder nachzuverfolgen und aufzuzeigen, wie diese Kopien als potente Akteure im Erzeugen der religiösen, politischen und ökonomischen Vernetzungen von Orten in der hispanischen Welt eingesetzt wurden. Ausgangspunkt des Forschungsprojekts ist die Madonna di Trapani, von der im 16. und 17. Jahrhundert unterschiedliche Typen von Kopien erzeugt wurden, die rege zwischen Sizilien, Spanien und Lateinamerika zirkulierten. Weitere Gnadenbilder und ihre Repliken, die die Wege der Trapanitana kreuzen, werden zur Untersuchung hinzugezogen und die sich ergebenden global vernetzten Kulttopografien in Hinblick auf die Frage nach Original und Kopie sowie die insbesondere in der transkulturellen Kunstgeschichte diskutierte Problematik von Zentrum und Peripherie verhandelt.

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