Servianische Stadtmauer auf dem Esquilin mit Lokomotive, Salzpapierabzug, 3. Viertel des 19. Jh, Foto: Lodovico Tuminello

Projekte

Fotografieforschung

Die objektbezogene und wissenschaftsgeschichtliche Fotografieforschung ist ein Forschungsgebiet der Fotothek. Die Digitalisierung analoger Bestände impliziert deren Aktualisierung und zugleich Historisierung. Fotografien stehen daher sowohl als eigenständige Objekte als auch als Träger von Informationen im Fokus wissenschaftlicher Diskurse und ermöglichen weitreichende Kontextualisierungen über die Bildwissenschaften hinaus.
Die Rolle der Sammlung als kulturelles Archiv vor dem Hintergrund mediengeschichtlicher Institutionalisierung sowie die Faktizität der Fotografie als zweidimensionales Medium in sich wandelnden Gebrauchskontexten sind Fragestellungen, die die Fotothek aktiv verfolgt, beispielsweise durch die (Ko-)Organisation von Konferenzen (Faktizität und Gebrauch früher Fotografie), Vortragsreihen (Dunkelkammergespräche), Workshops (Pharos-Meeting; The Art Historical Image in the Digital Age) oder Studienkursen (Circulating Photographs: Materials, Practices, Institutions).

Corpus der italienischen Zeichnungen 1300–1500

Das Corpus der italienischen Zeichnungen 1300–1500 ist eine der bedeutenden Unternehmungen der Kunstgeschichte auf dem Gebiet der Zeichnungsforschung, das von Bernhard Degenhart und Annegrit Schmitt-Degenhart begründet wurde. Der Schwerpunkt liegt auf den italienischen Handzeichnungen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, die in bislang 15 Bänden erschienen sind. Das Corpus kam 2019 als Schenkung von Dr. Annegrit Schmitt-Degenhart an die Fotothek der Bibliotheca Hertziana und ergänzt die reichhaltige Zeichnungssammlung.

PHAROS

PHAROS ist ein internationales Konsortium von vierzehn kunsthistorischen Fototheken und Archiven. Das Ziel der Initiative ist, die bislang in den einzelnen Archiven vorhandenen Bestände in einer einzigen Datenbank zu präsentieren und digitale Bilder und Metadaten der Forschung zur Verfügung zu stellen. Einen ersten Einblick bietet die bislang nur mit einer geringen Anzahl von Daten operierende PHAROS Art Research Database, die auch die non-semantische Bildersuche erlaubt, durch die ähnliche oder identische Werke in den einzelnen Sammlungen identifiziert werden können. Das Projekt wird in den nächsten Jahren die digitalisierten Bestände des Konsortiums für die Forschung (insgesamt ca. 30 Millionen Fotografien) zugänglich machen.

Verbund Graphikportal/AK "Graphik vernetzt"

Seit 2013 ist die Fotothek Partner im Arbeitskreis "Graphik vernetzt", der das Ziel verfolgt, gemeinsame Digitalisierungsstandards zu vereinbaren und Strategien für die weitergehende digitale Vernetzung graphischer Sammlungen zu entwickeln. Sie betreibt zugleich das Verbundsystem "Graphikportal", in dem die Grafikbestände der Kunstsammlung der Bibliotheca Hertziana abrufbar sind.

Verbundportal Bildindex/Arbeitsgemeinschaft kunsthistorischer Bildarchive und Fototheken (AKBF)

Seit 1999 ist die Fotothek Partner des digitalen "Bildindex der Kunst- und Architektur", den das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte (DDK) – Bildarchiv Foto Marburg für Forschung und Lehre zur Verfügung stellt. Mit dem DDK und weiteren Bildarchiven deutscher Forschungs- und Kulturinstitutionen ist die Fotothek darüber hinaus in der 2004 gegründete "Arbeitsgemeinschaft kunsthistorischer Bildarchive und Fototheken" aktiv.

Corpus Photographicum of Drawings (Corpus Gernsheim)

Im Jahr 2002 wurde der Bibliotheca Hertziana ein vollständiges Set des "Corpus Photographicum of Drawings" (Corpus Gernsheim, ca. 193.000 Fotografien) von seinen Begründern Walter Gernsheim und Jutta Lauke-Gernsheim übereignet. Im Jahr 2013 wurde die Schenkung durch die Übertragung sämtlicher Negative des Corpus an die Fotothek einschließlich der Fotografenrechte komplettiert. Mit der wissenschaftlichen Erschließung des Corpus findet weitgehend unpubliziertes Material Eingang in die Fotothek. Seit 2012 veranstaltet die Fotothek jährlich stattfindende Tagungen zur Zeichnungsforschung.

Rara-Abteilung

Zu den ältesten Beständen der Fotothek, die oftmals noch auf die Sammlung von Henriette Hertz zurückgehen, gehören historische Aufnahmen seit ca. 1860. Diese sind gemäß den Kriterien der historischen Fototechnik (Kohledrucke, Kollodium, Aristotypien, Albumine usw.) und des Erhaltungszustandes besonders schützenswert und werden seit 2012 unter verbesserten konservatorischen Bedingungen in der Rara-Abteilung archiviert, katalogisiert und digitalisiert. Der historische Bestand umfasst außerdem 20 Fotoalben aus der Zeit zwischen 1865 und ca. 1915, die seit Sommer 2018 erschlossen werden.

Fototeca Unione

Die "Fototeca dell'Unione di arte post-antica romana" wird seit 1956 mit finanzieller Unterstützung der in der "Unione Internazionale degli Istituti di Archeologia, Storia e Storia dell'Arte in Roma" vereinten italienischen und ausländischen Kulturinstitute aufgebaut. Eine entsprechende Abteilung zur antiken Kunst wird an der American Academy in Rome unterhalten. Die Fototeca Unione umfasst ca. 25.000 Fotografien, die in die Fotothek der Bibliotheca Hertziana eingegliedert und durch eine Unione-Bestandsnummer gekennzeichnet sind.

Bartsch/Le Blanc Illustré

Die Fotothek verfügt über eine in ihrer Art weltweit singuläre Fotosammlung von Reproduktionsgrafik nach italienischen Kunstwerken, die seit den 1970er Jahren systematisch aufgebaut wurde und ca. 35.000 Schwarz-Weiß-Abzüge umfasst. Sie wurde von 2010–2014 vollständig digitalisiert und katalogisiert. Grundlagen für dieses Projekt waren die Publikationen Manuel de l'amateur d'estampes (1854–1890) von Charles Le Blanc sowie Le peintre graveur (1803–1821) von Adam Bartsch.

Publikationen

  • Regine Schallert, "Auf der Suche nach der guten Form. Die Italienreise des belgischen Architekten Jules Brunfaut (1852–1942)", in Blickwendungen: Architektenreisen nach Italien in Moderne und Gegenwart (Römische Studien der Bibliotheca Hertziana, Band 45), hg. v. Kai Kappel u. Erik Wegerhoff, München: Hirmer Verlag 2019, S. 173–188 (zu den Fotoalben von Jules Brunfaut).
  • Regine Schallert und Johannes Röll, "La Fototeca della Bibliotheca Hertziana (Istituto Max Planck per la Storia dell'Arte)", in Immagini e memoria, Gli Archivi fotografici di Istituzioni culturali della città di Roma, Atti del convegno, Roma, Palazzo Barberini, 3.–4. Dezember 2012, hg. v. Barbara Fabjan, Rom 2014, S. 169–182.
  • Regine Schallert, "Die Fotothek: ...dass ein Forscher jedwedes Material hier einsehen kann", in 100 Jahre Bibliotheca HertzianaMax-Planck-Institut für Kunstgeschichte. Band I: Die Geschichte des Instituts 1913–2013, hg. v. Sybille Ebert-Schifferer unter Mitarbeit von Marieke von Bernstorff, München 2013, S. 226–245, 310–314.
  • Regine Schallert, "Kunstschutz und Fotografie: Sonderführer (Z) Hans Werner Schmidt", in Kunsthistoriker im Krieg – Deutscher Militärischer Kunstschutz in Italien 1943–1945 (Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München, Band 29), hg. v. Christian Fuhrmeister, Johannes Griebel, Stephan Klingen u. Ralf Peters, Köln 2012, S. 247–262.
  • Regine Schallert, "I tesori nascosti d'Italia: l'archivio dello studio Foto arte minore di Max Hutzel", in Photo Archives and the Photographic Memory of Art History, hg. v. Costanza Caraffa, Berlin/Hamburg 2011, S. 335–346.

 
Veranstaltungen Fotografieforschung

  • 18.–22. März 2019: Studienkurs Fotografie Circulating Photographs, Materials, Practices, Institutions. Studienkurs mit der Folkwang Universität der Künste Essen, organisiert von Tatjana Bartsch, Antonella Pelizzari, Johannes Röll, Steffen Siegel.
  • April – November 2017: Dunkelkammergespräche – Conversazioni sulla Camera Oscura, Vortragsreihe der Fototheken des Deutschen Archäologischen Instituts Rom und der Bibliotheca Hertziana (7 Vorträge).
  • 22.–24. März 2017: Faktizität und Gebrauch früher Fotografie. Studientage der Fototheken der Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte und des Deutschen Archäologischen Instituts Rom, wiss. Koordination: Tatjana Bartsch, Johannes Röll, Paul Pasieka, Ralf Bockmann.
  • 9. April 2016: Forum Kunstgeschichte Italiens, Fünfte Arbeitstagung, Plenarsektion III: Die Frühzeit der Fotografie in Italien, organisiert von Tatjana Bartsch, Johannes Röll u. Costanza Caraffa.

Veranstaltungen Zeichnungsforschung "Gernsheim-Studientage"

  • 21.–23. November 2018: Das Ende der Architekturzeichnung? Darstellungsmodi und Baupraxis zwischen 20. und 21. Jahrhundert, wiss. Koordination: Tatjana Bartsch, Anne Scheinhardt, Johannes Röll u. Vitale Zanchettin.
  • 25.–27. Oktober 2017: Farbe auf Zeichnungen der frühen Neuzeit – Symbiose und Antagonismus, wiss. Koordination: Tatjana Bartsch, Iris Brahms, Johannes Röll.
  • 16.–18. November 2016: Abbreviaturen, Formeln und Chiffren in der Zeichnung der Frühen Neuzeit, wiss. Koordination: Tatjana Bartsch u. Johannes Röll.
  • 11.–13. November 2015: Renaissance-Zeichnungen für und nach Skulptur, wiss. Koordination: Tatjana Bartsch u. Johannes Röll.
  • 14.–15. November 2013: Zeichnen und Zeichner im Rom des 18. Jahrhunderts Grandtour, Kunstmarkt und Kunstexport, wiss. Koordination: Susanne A. Meyer, Stefan Morét u. Johannes Röll.
  • 28.–29. November 2012: Zeichnungen im Fokus – Focus on Drawings. Studientag zu Ehren von Jutta Gernsheim und in memoriam Walter Gernsheim, wiss. Koordination: Stefan Morét u. Johannes Röll.

Leihgaben an Ausstellungen

  • Alfabeto fotografico romano. Collezione e archivi fotografici di istituzioni culturali in Roma, Rom, Istituto centrale per la grafica, Palazzo Poli, 16. Mai – 2. Juli 2017
  • Der Göttliche. Hommage an Michelangelo, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, 6. Februar – 25. Mai 2015
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