Stellenangebot vom 4. Mai 2026
Workshop
Rom, Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, 12.–13.11.2026
Eingabeschluss: 21.06.2026
Als Erwin Panofsky 1964 seine „vier Vorlesungen“ über die Grabplastik publizierte, begründete er eine kunsthistorisch wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Grabmalskultur und -skulptur. Zugleich stellte er, wie im Titel explizit wird, das Grabmonument in eine historische Entwicklungsgeschichte von „Alt-Ägypten bis Bernini“. In den seitdem vergangenen 62 Jahren hat die Kunstgeschichte eine kaum noch überschaubare Vielzahl an Forschungsergebnissen zum Umgang mit und Aussehen von Grabmonumenten in der europäischen Kunst hervorgebracht. Neben der Erweiterung der Ergebnisse Panofskys im Sinne einer Entwicklungs- und Stilgeschichte richtete sich das Interesse der Forschenden immer wieder auch auf spezifische Themenfelder der Grabmalskunst; sie erforschten (und begrenzten) den Untersuchungsgegenstand in Hinblick auf Dynastien, geographische Regionen bzw. Nationalstaaten, soziale Gruppierungen oder Grabmalsformen und -typologien sowie in Verbindung mit räumlichen wie liturgischen Konstellationen.
Fragen nach den Kriterien, die der Auswahl von Vergleichsbeispielen, Referenzgrößen und künstlerischen Akteuren zugrunde liegen, rücken dabei oft in den Hintergrund: Welche Monumente gelten als „repräsentativ“? Welche Künstler*innen werden in die Forschungsgeschichte eingegliedert – und welche bleiben außen vor? Inwieweit determiniert die Auswahl bestimmter Auftraggeber*innen oder sozialer Gruppen die Erkenntnisse über Memorialskulptur? Und welche Grenzen werden gezogen, wenn man Grabmonumente innerhalb bestimmter nationaler oder kultureller Räume untersucht?
Der Workshop will diese methodischen Grundannahmen hinterfragen und neue Perspektiven der Grabmalsforschung erschließen, indem er Grabmonumente eines weiter ausgedehnten, kulturell wie sozial heterogenen Zusammenhangs wie jenem des weltumspannenden Spanischen Habsburgerreichs untersucht. Während Studien zu einzelnen Grabmonumenten auf der iberischen Halbinsel, in dem von spanischen Vizekönigen regierten Neapel, im Herzogtum Mailand oder im portugiesischen Königreich vorliegen, bleibt die transnationale Dimension von Memorialpraktiken bislang unterrepräsentiert.
Ziel des Workshops ist es, Forschenden zu den Grabmonumenten und Sepulkralkulturen der Spanischen Habsburger der Frühen Neuzeit einen internationalen Austausch zu ermöglichen und die eigenen Forschungsergebnisse mit Exptert*innen auf dem Gebiet anderer lokaler Machtzentren des habsburgischen Mittelmeerreichs zu diskutieren. Dabei können u. a. folgende Fragen fokussiert werden: Wie verändert sich unsere Forschung, wenn wir die Grabmals- und Erinnerungskultur und -skulptur innerhalb des habsburgischen Weltreichs unabhängig von nationalen Grenzen oder sozialem Stand untersuchen und die hochgradige Mobilität von Personen (Adligen, Bürokraten, Kunstschaffenden) mitberücksichtigen? Welche Rolle spielen transnationale Aushandlungsprozesse in der Etablierung und Sichtbarmachung von Macht und Einfluss durch die Stiftung von Grabmonumenten? Wie ist der Einsatz unterschiedlicher Materialen (z.B. Marmor aus Italien, Alabaster in Spanien) in der Grabskulptur im Reich der Habsburger zu bewerten? Welche Verbindungslinien werden womöglich erst sichtbar, wenn Forschungsergebnisse lokaler Grabmalsformen in einen globalen Kontext gestellt werden?
Der internationale Workshop wird von der Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte und der Universität Hamburg organisiert und findet vom 12. bis zum 13. November 2026 in Rom statt. Bewerbungen von Doktorand*innen sind ausdrücklich erwünscht. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.
Bewerbung:
Bitte reichen Sie Ihren Abstract (max. 500 Wörter) für einen Vortrag von 20 Minuten sowie Ihren Curriculum Vitae in deutscher oder englischer Sprache bis zum 21.06.2026 auf folgendem Bewerbungsportal ein: https://recruitment.biblhertz.it.
Die Hotelübernachtung (11.–13.11.2026) wird von den Organisator*innen organisiert und übernommen. Die Kosten für die An- und Abreise werden anteilig übernommen. Die Auswahl wird bis zum 15.07.2026 bekannt gegeben.
Wissenschaftliche Organisation: Anna Magnago Lampugnani (Rome), Tanja Michalsky (Rome), Ivo Raband (Hamburg)