„Landstriche“ (Alpen – Rom – Jerusalem, 11.–13. Jahrhundert)

Dr. Elisabeth Niederdöckl

Für die Feier der Messe außerhalb geweihter Kirchenräume waren Tragaltäre, Kelche, Patenen, Altartücher, Pyxiden, Reliquiare, Kreuze, Weingefäße, Gestelle und Transportbehälter kirchlich vorgeschrieben. Das Projekt nimmt dieses liturgische Ensemble zum Ausgangspunkt und untersucht Bilder, Inschriften, Materialien und ihre Anordnung am einzelnen Artefakt wie im Zusammenspiel mehrerer Geräte. Im Abgleich mit liturgischen und theologischen Quellen lässt sich rekonstruieren, wie dieses Ensemble konzipiert, wahrgenommen und gebraucht wurde.
Als Ausgangspunkt dienen Vorbereitungsriten des 12. Jahrhunderts für die Messe auf Reisen. Zusammen mit zeitgenössischen Messkommentaren zeigen sie, wie Priester und Altar auf die Reise vorbereitet wurden und wie das Ensemble unterwegs gehandhabt, gesehen und verstanden wurde.
Das Projekt kontextualisiert diese Objekte in Landstrichen: Landschaftsräumen, die durch Bewegung, Begegnung und Ritus geprägt sind und über die einzelne Reise hinaus fortbestehen. Im Fokus stehen Süditalien und die Wege ins Heilige Land. Untersucht werden Objekte, die nachweislich mobil verwendet wurden, deren Portabilität bislang jedoch kaum in ihrem historischen und liturgischen Zusammenhang berücksichtigt wurde. Im Fokus stehen ihre Verbindungen zu heiligen Orten und Schwellenräumen, darunter Kirchen und Heiligtümer bestimmter Märtyrer, Flüsse, Häfen, Küsten und Seerouten, ebenso wie zu diplomatischen Begegnungen, wechselnden politischen Räumen und Krieg. Gefragt wird, wie sich diese Landstriche in den Objekten einschreiben und wie sie umgekehrt deren Wahrnehmung, Gebrauch und Bedeutung mitbestimmen.
 

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