Christoph L. Frommel (1933–2026)
Christoph Luitpold Frommel ist am 11. Februar 2026 im Alter von 92 Jahren in Rom verstorben. Er war von 1980 bis 2001 Direktor der Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte und hat sich Zeit seines Lebens der Erforschung der italienischen Renaissance-Architektur gewidmet.
Geboren 1933 in Heidelberg, studierte Frommel Kunstgeschichte bei Hans Sedlmayr in München und forschte als Stipendiat und Assistent an der Hertziana. Seine Dissertationsschrift (1959) widmete er Baldassare Peruzzis Villa Farnesina, der Residenz Agostino Chigis, die dieser Anfang des 16. Jahrhunderts am Ufer des Tiber errichten ließ (publiziert 1961). Mit dieser Forschungsarbeit entwickelte er seinen methodischen Zugang zur Architekturgeschichte, indem er Archivalien zur Baugeschichte und zum Planungsprozess heranzog und damit die formale Analyse des Bauwerks ergänzte.
Das dieser methodischen Herangehensweise zugrundeliegende Erkenntnispotential konnte Frommel im Rahmen seiner breiter aufgestellten Recherchen zum Palastbau der Hochrenaissance in Rom voll ausschöpfen, seine 1973 veröffentlichte Habilitationsschrift (Römischer Palastbau der Hochrenaissance) setzte in der Forschung der Architekturgeschichte neue Maßstäbe. Mit beeindruckender Detailgenauigkeit definierte Frommel die Gattung des Palastbaus und verdeutlichte die Bedeutung des dialogischen Aushandelns zwischen Auftraggeberschaft und Künstler. Nach Jahren als Hochschullehrer in Bonn (1968–1980) mit kurzer Unterbrechung für eine Dozentur an der University of California Berkeley (1972) und einer Gastprofessur in Princeton (1978) wurde er 1980 als Nachfolger von Wolfgang Lotz neben Matthias Winner zum Direktor der Hertziana berufen. Hier prägte er Generationen von Forschenden, die er auf seine höchst anspruchsvolle Art an die italienischen Architekturgeschichte heranführte. Als Direktor suchte er den Dialog mit römischen und internationalen Institutionen und organisierte direkt zu Beginn mit Matthias Winner und in Zusammenarbeit mit den Vatikanischen Museen die spektakuläre, acht Tage währende wissenschaftliche Konferenz Raffaello a Roma (1983). Während des Kongresses schlossen die Vatikanischen Museen die Sixtinische Kapelle für Besucher, um sie dem wissenschaftlichen Disput der Forschenden zu öffnen. Die Ergebnisse wurden 1986 publiziert und sind ein Standardwerk der Raffaelforschung. Frommel publizierte während seines langen Schaffens zahlreiche Aufsätze und Bücher über Bramante, Michelangelo, Raffael, Antonio da Sangallo il Giovane, aber auch Caravaggio, Bernini und viele andere mehr. Er co-kuratierte Ausstellungen und war außerdem maßgeblich an den Ausgrabungen im Innenhof des Palazzo della Cancelleria beteiligt, die die Fundamente einer der bedeutendsten frühchristlichen Basiliken Roms aus dem 4./5. Jahrhundert – San Lorenzo in Damaso – zutage förderten. Die Ergebnisse der Ausgrabungen wurden in zwei voluminösen Bänden 2009 publiziert L’antica basilica di San Lorenzo in Damaso: indagini archeologiche nel Palazzo della Cancelleria (1988–1993). Anlässlich des 400. Geburtstages von Francesco Borromini organisierte Frommel im Jahr 2000, kurz vor seiner Emeritierung, den internationalen Borromini-Kongress (13.–15. Januar 2000), bei dem internationale Expert:innen Borrominis Werk neu bewerteten indem sie die architektonische Kühnheit und geometrische Komplexität seiner Entwürfe herausarbeiteten. Nach seiner Emeritierung 2001 hatte Frommel eine Ehrenprofessur der Universität La Sapienza (2002–2005) inne, ihm wurde ein Laurea honoris causa der Universität Neapel Federico II verliehen, er ist zum Gran Ufficiale della Repubblica Italiana ernannt worden, er wurde mit verschiedenen Preisen geehrt und war Mitglied und zahlreichen Akademien (Accademia di San Luca, Accademia dei Lincei). 2019 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Rom ernannt. Seine letzte Ruhestätte wird er auf dem Cimitero Acattolico – dem nicht-katholischen Friedhof an der Cestius-Pyramide – finden.
Christoph L. Frommels analytischer Geist lebt in seinen unzähligen Schriften fort, wir werden ihn als engagierten, leidenschaftlichen und brillanten Forscher in Erinnerung behalten.
