Die Architektur der Case d’Italia und die Konstruktion des faschistischen Italienertums: das Corpus von Clemente Busiri Vici zwischen vergleichenden Ausprägungen und Nachkriegsschicksalen
Maria Stella Di Trapani, Ph.D.
Das Projekt setzt die während der vorangegangenen Fellowship (2025) begonnene Forschung zu den von Clemente Busiri Vici (1887-1965) für die Generaldirektion der Italiener im Ausland entworfenen Case d’Italia fort und erweitert sie – Bauten kultureller Diplomatie, die den Auswanderergemeinschaften ein Bild des faschistischen Italienertums vermittelten. Der Abschluss der Digitalisierung des Fondo Busiri Vici im Zentralstaatsarchiv wird die systematische Katalogisierung des Corpus ermöglichen, einschließlich zahlreicher bislang unzugänglicher Fälle, sowie die Erschließung des privaten Archivs der Architektenfamilie, ergänzt durch die Arbeit im Diplomatischen Historischen Archiv des Außenministeriums und in weiteren zeitgenössischen Zeitschriften, Bulletins und Zeitungen. Die For-schung wird unter anderem emblematische Fälle wie den Kanton Tessin, zwischen kulturellem Irredentismus und antifaschistischem Widerstand, sowie die nie realisierte Casa degli Italiani all’Estero an der Porta San Paolo in Rom untersuchen; ebenso den Vergleich mit weiteren Protagonisten der fa-schistischen Architekturdiplomatie, allen voran Florestano Di Fausto; sowie das Nachkriegsschicksal dieser Bauten am Beispiel von Port Said, das heute von Verfall und damnatio memoriae bedroht ist. Allgemeiner will das Projekt den Case d’Italia ihren Status als Instrumente von Soft Power zurückgeben, auch im Licht von Deutungskategorien wie den imaginierten Gemeinschaften und dem difficult heritage, für eine kritische Reflexion über ihr architektonisches und identitäres Erbe.