Lateinamerika in den Biennalen der 1970er Jahre: Kunst, Geopolitik und Identität
Anita Orzes, Ph.D.
Dieses Forschungsprojekt zielt darauf ab, die Rolle von Biennalen bei der Herausbildung und Darstellung Lateinamerikas in den 1970er-Jahren sowohl im lateinamerikanischen als auch im europäischen Kontext zu untersuchen. Die Hypothese lautet, dass Biennalen nicht nur als Ausstellungsräume fungierten, sondern als Plattformen der Artikulation, geopolitischen Auseinandersetzung und Identitätskonstruktion, auf denen das “Lateinamerikanischen”als ein dynamisches Konzept hervorging, das von ästhetischen und politischen Konflikten des Kalten Krieges geprägt wurde. Während die bisherige Forschung die Rolle von Institutionen und Kunstkritik bei der Entstehung und Zirkulation des Konzepts des “Lateinamerikanischen” in der Kunstwelt untersucht hat, ist die spezifische Funktion von Biennalen in diesem Prozess bislang weitgehend unerforscht. Im Fokus steht eine vergleichende Analyse zentraler Ereignisse – darunter die Biennalen von Medellín, Cali, São Paulo, Venedig und Paris. Unter Rückgriff auf Methoden der Ausstellungsforschung, der globalen Kunstgeschichte sowie der Sozial- und Politikwissenschaften verfolgt das Projekt das Ziel nachzuzeichnen, wie diese internationalen Veranstaltungen das “Lateinamerikanische” als künstlerische und kritische Praxis, als politische Haltung oder als identitäre Kategorie artikulierten, aushandelten und zu seiner Konstruktion beitrugen.