Architectural Demolition in Seventeenth-Century Warfare: The Case of Castro (1641–1649)
Giordano Ocello, Ph.D.
In der Frühen Neuzeit erlangten Abbruchpraktiken und Demontageprozesse einen systematischen Charakter und wirtschaftliche Bedeutung. Kriegszerstörungen zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert bilden einen spezifischen Teilbereich, anhand dessen sich dieses Phänomen beobachten lässt. Einerseits wurden Abbrucharbeiten zu einer legitimierten Praxis, die parallel zu den technologischen Fortschritten in der Belagerungskriegsführung und der Professionalisierung auf allen Fachebenen in ganz Europa wissenschaftlich theoretisiert wurde; andererseits erforderten sie zwangsläufig provisorische Arbeitskräfte und Ad-hoc-Beiträge lokaler Gemeinschaften, die hochgradig ortsspezifische Lösungen verlangten.
Ausgehend von der Zerstörung von Castro im 17. Jahrhundert als reichhaltiger Fallstudie wird dieses Projekt Archivdokumente mit materiellen Belegen verknüpfen, um zu untersuchen, inwieweit frühneuzeitliche Kriegszerstörungen die materielle, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Bauindustrie beeinflussten, und um die pragmatischen und verwaltungstechnischen Aspekte der Zerstörung von Castro in das breitere Panorama der Forschungen zur Geschichte der Dekonstruktion einzuordnen. Dabei verortet die Studie den Abriss in einem breiteren Spektrum frühmoderner Praktiken – Plünderung, Eroberung, Raub, Wiederbelebung und bewusste Auslöschung – und zeigt auf, wie Akte der Zerstörung die künstlerische Produktion, den Materialkreislauf und den architektonischen Wert aktiv neu ordneten.