Rasantes Wachstum (1963–1975)

Der Neubau der 1960er Jahre des Architekten Silvio Galizia. Leseplätze mit Blick auf den Innenhof.

1962 wurde Wolfgang Lotz als Nachfolger von Franz Graf Wolff Metternich berufen. Otto Lehmann-Brockhaus hingegen, vormals Leiter der Bibliothek des von ihm mitbegründeten Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München (ZI), wurde zum Nachfolger des frühverstorbenen Ludwig Schudt ernannt. Als neuer Bibliotheksleiter (ab 1967 auch Wissenschaftliches Mitglied und Direktor am Institut) übernahm er von seinem Vorgänger einen Bestand von 60.000 Bänden. Aufgrund des großen Buchzuwachses führte er eine neue Signaturensystematik ein, mit der die Bibliothek heute noch arbeitet. Sein wissenschaftliches Interesse galt der Erforschung der Kunst des Mittelalters in den Abruzzen und im Latium.

Wolfgang Lotz' wissenschaftliches Interesse galt der italienischen Architektur der Neuzeit, speziell der Architekturzeichnung. Auf seine Initiative hin wurde 1965 Richard Krautheimer zum Auswärtigen Wissenschaftlichen Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft ernannt, wie zuvor bereits in den 50er Jahren Harald Keller (Universität Frankfurt) und Rudolf Wittkower. Im Gegensatz zu diesen siedelte er nach seiner Emeritierung 1971 nach Rom um, wo er mit seiner Frau Trude Krautheimer-Hess in einer Wohnung des Palazzo Zuccari bis zu seinem Tod 1994 lebte.

Prägend für diese Zeit war der rasante Wachstum des Instituts: Nicht nur die Buch- und Fotobestände nahmen stetig zu, auch die Anzahl der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verdoppelte sich von 23 auf 51, und immer mehr Forschende nutzten die Bibliothek. Die dadurch entstandene Platznot konnte 1963 durch den von der VolkswagenStiftung finanzierten Ankauf des Palazzo Stroganoff und den Bau eines neuen Bibliothekstrakts gemindert werden. Im Mai 1969 wurde der von Wolfgang Lotz in Zusammenarbeit mit Oberbaurat Otto Meitinger (Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft) und dem Architekten Silvio Galizia konzipierte Bibliotheksneubau eröffnet.

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