Gregor XIII und die Fremdengemeinschaften Roms

Gregor XIII und die Fremdengemeinschaften Roms

Porträt von Papst Gregor XIII., umgeben von Ereignissen und Gebäuden aus der Zeit seines Pontifikats errichtet wurden, Kupferstich, ca. 1582-1585. Rijksmuseum Amsterdam, inv. RP-P-2005-331

Wohl kaum ein Papst der frühen Neuzeit setzte sich so intensiv für die in Rom ansässigen Fremden ein wie Gregor XIII Boncompagni (1572–1585). Die zahlreichen landsmannschaftlichen Gruppierungen der Stadt spielten eine wichtige Rolle für die von ihm angestrebte Einrichtung einer universellen Kirche im Sinne der Trienter Beschlüsse. So gründete der Papst eine ganze Reihe von Priesterseminaren für die Ausbildung jünger Kleriker aus den von der Reformation betroffenen nordeuropäischen Territorien und aus den von Katholiken, Orthodoxen und Moslems besiedelten Gebieten des Mittleren Orients. Innerhalb weniger Jahre entstanden das englische und das deutsch-ungarische Kolleg, aber auch die Seminare der Maroniten, Griechen, Neophyten und Armenier sowie das Collegium Romanum. Zugleich förderte Gregor XIII. auch andere landsmannschaftliche Institutionen in Rom, so beispielsweise die Bruderschaften für Personen aus Siena, Brescia und Bologna sowie die Nationalkirchen Santa Maria dell’Anima, San Giacomo degli Spagnoli und San Luigi die Francesi.

Gregor XIII war einerseits bestrebt, die landesspezifischen Eigenarten der Fremdengemeinschaften zugunsten eines übergreifenden römischen Modells zu nivellieren, versuchte jedoch andererseits, ihnen seinen Willen nicht undifferenziert aufzuzwängen. Im Rahmen des vorliegenden Forschungsprojekts werden die spezifischen Strategien untersucht, mit denen der Papst die neuen Glaubensgrundsätze zu verbreiten suchte, ohne dabei die Bräuche, Sehgewohnheiten und Identitäten der landsmannschaftlichen Gruppen gänzlich zu unterdrücken. Eine besondere Rolle spielten in Gregorios Fremdenpolitik die Kardinalprotektoren der verschiedenen 'Nationen', darunter Gabriele Paleotti, Giulio Antonio Santori, Antonio Carafa und Guglielmo Sirleto. Sie wirkten als Bindeglieder zwischen den Priesterseminaren, Nationalkirchen, diplomatischen Vertretungen und der Kurie. Eine zentrale Frage des Projekts betrifft die Auswirkungen der gregorianischen Politik auf die Architektur und künstlerische Ausstattung der landsmannschaftlichen Kirchen, Seminare und Hospize und die damit verbundenen Kulte und Repräsentationsstrategien.

Publikationen

Susanne Kubersky-Piredda, "Roma communis patria. Comunità straniere nella Roma di Gregorio XIII", Römisches Jahrbuch der Bibliotheca Hertziana, 42 (2015/2016) [2018], S. 383–386.

Camilla S. Fiore, "Gregorio XIII e i greci di S. Atanasio a Roma tra fine Cinque e inizio Seicento", Römisches Jahrbuch der Bibliotheca Hertziana, 42 (2015/2016) [2018], S. 387–436.

Giulia Iseppi, "Costruire l'identità fra chiesa e nazione. Il caso dei Bolognesi a Roma (XVI–XVII secolo)", Römisches Jahrbuch der Bibliotheca Hertziana, 42 (2015/2016) [2018], S. 437–481.

Susanne Kubersky-Piredda, "Chiese nazionali fra rappresentanza politica e riforma cattolica: Spagna, Francia e Impero a fine Cinquecento", in Identità e rappresentazione. Le chiese nazionali a Roma, 1450-1650, hg. v. Alexander Koller und Susanne Kubersky-Piredda, unter Mitarbeit von Tobias Daniels, Campisano Editore, Rom 2016, S. 17–64.

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