Schenkung Jutta und Walter Gernsheim

Fotoschachteln

Der Kunsthistoriker Walter Gernsheim (1909–2006) schloss sein Studium an der Universität München 1934 mit einer Dissertation über die Buchmalerei der Reichenau ab. Im gleichen Jahr emigrierte er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder, dem Fotografen und späteren Fotohistoriker und -sammler Helmut Gernsheim (1913–1995) nach England. Als Kunsthändler betrieb Walter Gernsheim ab 1937 in London eine Galerie für Altmeisterzeichnungen. In diesem Jahr gründete er das Gernsheim Corpus of Drawings, auch bekannt als Corpus Photographicum of Drawings, mit der Intention, durch die fotografische Dokumentation von zumeist unpublizierten Zeichnungsbeständen in Museen und Privatsammlungen ein Arbeitsinstrument für die Zeichnungsforschung zu schaffen. Hierzu führte er selbst Fotokampagnen in größeren und kleineren Zeichnungssammlungen durch, zunächst in Europa, nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Amerika. Seit 1954 arbeitete seine spätere Frau, die Kunsthistorikerin Dr. Jutta Lauke Gernsheim (1921–2015) mit, die im gleichen Jahr mit einer Dissertation über den Zeichenstil der drei Carracci in München promoviert worden war. Nach kurzer Zeit übernahm sie die volle Verantwortung für die Kampagnen und führte das Corpus bis in ihr hohes Alter aktiv weiter. Im Jahre 2002 schenkten Walter und Jutta Gernsheim der Bibliotheca Hertziana das vollständige, in einer Zeitspanne von sieben Jahrzehnten entstandene Corpus Photographicum of Drawings, das heute über 195.000 Fotografien von Zeichnungen aus über hundert öffentlichen und privaten Sammlungen der ganzen Welt umfasst. 2013 erfolgte die Übergabe auch des vollständigen Negativarchivs inklusive der Fotografenrechte an die Fotothek.

Im Jahr 2009 schenkte Jutta Lauke Gernsheim der Fotothek 910 Schwarz-Weiß-Fotografien (13x18 und 18x24 cm), die sie im Zusammenhang mit Ihrer Doktorarbeit angekauft oder angefertigt hatte.

Zum Corpus Gernsheim: [Christina Riebesell], "Mellon Foundation stiftet 375 000 Dollar", Max Planck Forschung, 2 (2003), S. 73; Dietmar Polaczeck, "Renaissance: Gernsheim schenkt: Roms Bibliotheca Hertziana wächst", FAZ 02.06.2003.

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