Giulia Beatrice erhält die Otto-Hahn-Medaille 2026

16. Juni 2026

Die Max-Planck-Gesellschaft zeichnet Giulia Beatrice, Wissenschaftliche Assistentin an der Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, mit der Otto-Hahn-Medaille aus und würdigt damit ihre herausragende Dissertation, die sich mit der Inanspruchnahme und Verstrickung der futuristischen Avantgarde zugunsten einer propagandistischen Verbreitung der italienischen Kolonialbestrebungen in der Ära des Faschismus auseinandersetzt.

In ihrer Dissertation "Avant-Garde Propaganda. Colonialism and Futurism" untersucht Giulia Beatrice visuelle und literarische Zeugnisse, die in der Ära des italienischen Faschismus von 1910 bis in die 1940er Jahre entstanden und die "Blackness" und imperialistische Kriegshandlungen gegen die Völker Libyens, Somalias und Äthiopiens darstellen.

Giulia Beatrice rekonstruiert die Rolle der Kunst innerhalb der kulturpolitischen Propagandastrategie des Faschismus und zeigt auf, wie Künstler des Futurismus über modernistische Kategorien wie das "Exotische", das "Primitive" und das "Barbarische" die Verbreitung einer kolonialen und subalternen Perspektive systematisch forcierten und einen Beitrag zur Konstruktion und Verbreitung einer italienischen “colonial consciousness” leisteten. Gleichzeitig analysiert sie detailliert, wie die Künstler die Expansionspolitik Italiens unterstützten und sich, durch den direkten Kontakt mit afrikanischen Gebieten und Völkern, neue visuelle und kulturelle Vorstellungswelten schufen. Sie leistet damit einen zentralen Beitrag zu zeitgenössischen Debatten über koloniales Gedächtnis, Rassismus, Alterität und Repräsentation und wirkt aktiv einer kollektiven Amnesie entgegen, die bis heute das Gedächtnis an die europäische, insbesondere die italienische Kolonialgeschichte prägt.

Giulia Beatrice, PhD ist Wissenschaftliche Assistentin in der Abteilung Kunstgeschichte der Neuzeit im globalen Kontext der Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte. Sie schloss ihre Dissertation Avant-Garde Propaganda. Colonialism and Futurism im Juli 2025 an der Universität Zürich in co-tutelle de thèse mit der Sapienza Universität in Rom ab (betreut von Prof. Dr. Tristan Weddigen und Prof. Dr. Claudio Zambianchi). Sie ist Mitglied der Forschungseinheit Decolonizing Italian Visual and Material Culture: From Nationbuilding to Now an der Hertziana.

Die Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte leistet Grundlagenforschung im Feld der italienischen und globalen Kunst- und Architekturgeschichte. Sie zählt zu den Instituten der Geisteswissenschaftlichen Sektion der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. Das Interesse der Abteilung geleitet von Prof. Dr. Tristan Weddigen besteht in der Erforschung der Kunstgeschichte von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart.

Die Otto-Hahn-Medaille ist mit einem Anerkennungsbetrag von 7.500 Euro verbunden und wird seit 1978 jährlich an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für herausragende wissenschaftliche Leistungen verliehen. Die Auszeichnung soll besonders begabte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zu einer späteren Hochschul- oder Forscherkarriere motivieren.

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