Carlo Saraceni, Das Wunder des heiligen Benno, S. Maria dell'Anima, Rom (Foto Bibliotheca Hertziana, Enrico Fontolan)

Santa Maria dell'Anima

Soziale Pluralität und Kunstpatronage im konfessionellen Zeitalter

Als Martin Luther 1517 seine Thesen an das Domportal in Wittenberg anschlug, war man in Rom gerade dabei, die deutsche Nationalkirche Santa Maria dell'Anima von Grund auf zu erneuern. Das von einer Bruderschaft geführte Anima-Hospiz war bereits seit dem Mittelalter eine Anlaufstelle für Menschen aus dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches.

Santa Maria dell'Anima, Blick ins linke Seitenschiff

Gemäß dem Baubeschluss von 1499 sollte das neue Gotteshaus in expliziter Konkurrenz zu den Kirchen anderer Fremdengemeinschaften (nationes) nach deutscher Art errichtet werden: "alemannico more compositum". Was dies genau bedeutete, zumal in einer Zeit, in der aufgrund der Glaubenskonflikte für die Definition "nationaler" Identität zunehmend auch konfessionelle Aspekte eine Rolle spielten, soll im Rahmen dieses Forschungsprojektes geklärt werden. Insbesondere wird untersucht, inwiefern sich die Fragmentierung des Reichsgebietes auf die Mitgliederstruktur der Anima-Gemeinschaft auswirkte und inwiefern die Pluralität von regionalen Identitäten und Traditionen sich in der künstlerischen Ausstattung der Kirche spiegelte.

Zu den zentralen Fragen des Projektes gehört zudem, inwiefern die Altarbilder, Freskenzyklen und Grabmonumente von Santa Maria dell'Anima sich – mit Blick auf die sich nördlich der Alpen ausbreitende Reformation – als dezidiert konfessionspolitische Statements lesen lassen.

Zur Redakteursansicht