Historische Topographie der Repräsentation von Heiligen im Kontext dynastischer Legitimation und Identifikation in Süditalien (13.–14. Jahrhundert)

Dr. des. Adrian Bremenkamp

Die Erforschung der Nutzung von Heiligenkulten und ihrer Repräsentationsmedien für dynastische oder kommunale Legitimationsstrategien und politische Identitätsbildung hat eine lange Tradition im Rahmen der politischen Ikonographie. Es werden meist zentrale Monumente solcher sakralen Inszenierungen von Herrschaft und Gemeinschaft erforscht, selten aber wird die räumliche und mediale Streuung sakralpolitischer Setzungen mit untersucht. Erst vor diesem Hintergrund aber ließe sich die Orts- und Medienspezifik sakraler Repräsentationsformen in vergleichender Perspektive thematisieren. Die besondere epistemische Herausforderung liegt in der Kombination der Datensätze, semantischen Felder und räumlich-zeitlichen Relationen. Welche Art von Raumkonstruktionen und Raumdarstellungen ergeben sinnvolle Grundflächen zum Eintragen von Datenknotenpunkten? Wie lassen sich kartographische Räume auf Handlungs- oder Wissensräume beziehen? Wie kann z.B. das Modell der Distributionskarte verbessert werden?

Süditalien im späten 13. bis ins mittlere 14. Jahrhundert bietet sich als Untersuchungsrahmen an, da das seit 1266 von den französischen Anjou regierte Königreich Neapel wechselnde Allianzen mit Ungarn und Aragon einging, in diesem Zusammenhang bedeutende territoriale Gewinne und Verluste zu verzeichnen sind und die Herrscherdynastie aktiv das Projekt einer Sakralisierung ihres Geschlechts verfolgte. Die Fokussierung auf jene Heiligen, die in Bezug auf die Legitimierung von Herrschaft und Gemeinschaft besonders relevant sind, wie z.B. der Hl. Ludwig von Anjou oder die Hl. Elisabeth von Ungarn, erlaubt es, danach zu fragen, wie sich politisch-diplomatische Beziehungen und Allianzen oder territoriale Veränderung des Herrschergebiets auf die Verbreitung und die medialen Repräsentationsformen von Heiligen auswirken. Das Projekt strebt an, seine Datensammlung jenseits der klassischen Datenbank in einer dem Forschungsinteresse adäquaten Weise zu gestalten und diesen Prozess auch theoretisch zu reflektieren.

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