Amatrice im Focus. Fotografien eines seismischen Gebiets zwischen Erinnerung und Projekt

29. Mai 2020

Eine Online-Ausstellung der Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, kuratiert von Francesco Gangemi, Rossana Torlontano e Valentina Valerio. Wie erzählt man von der kulturellen Vielfalt einer verschwundenen Stadt? Nach dem Erdbeben 2016 sind wir auf die Erinnerung der Menschen und auf historische Spurensuche angewiesen, Fotografien erweisen sich hier als besonders wertvolle Zeugnisse.

Amatrice, Torre Civica, November 2018. Foto: Enrico Fontolan 

Das Erdbeben 2016 und die seismischen Nachbeben haben das Antlitz Amatrices dramatisch verändert. Heute zeigt sich die Stadt als verlassener Ort mit zwei emporragenden Türmen. Was bleibt von der Vielfalt und dem Reichtum seiner Kulturgüter? Kann man mit Bildern das Ausmaß der Schäden zeigen, ohne in eine Ästhetik der Katastrophe abzugleiten? Die Ausstellung führt die Kunstwerke und Monumente Amatrices virtuell in ihren verlorenen Kontext zurück.

Fotografien erweisen sich als nützliche Dokumente und Zeugnisse, auf deren Grundlage zukünftige Eingriffe zur Erhaltung und Rekonstruktion geplant werden können. Ziel der Ausstellung ist es durch die Gegenüberstellung von historischen Zeugnissen mit den Fotografien der aktuellen fotografischen Dokumentation nach dem Beben einerseits virtuell den Eindruck der einstigen kulturellen Einheit des Territoriums zu vermitteln und andererseits zur Reflexion über Formen, Art und Zielrichtung einer Rekonstruktion anzuregen, um Amatrices Zukunft nicht ohne die Vergangenheit zu denken. 

Dieses Projekt wurde in unterschiedlichen institutionellen Kontexten erarbeitet. Ausgangspunkt war ein Workshop zum Thema an der Fotothek der Bibliotheca Hertziana – Max-Planck Institut für Kunstgeschichte. Aus diesem erwuchs die Zusammenarbeit zwischen Francesco Gangemi, Rossana Torlontano und Valentina Valerio, die als Experten für Konservierung in Erdbebengebieten ihre jeweiligen Erfahrungen in das Projekt einbringen konnten. Die Idee diese Forschungsergebnisse in Form einer digitalen Ausstellung zu publizieren, entstand im Kontext des International Observatory for Cultural Heritage an der Italian Academy for Advanced Studies in America an der Columbia University, New York.

Die Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte leistet Grundlagenforschung im Feld der italienischen und globalen Kunst- und Architekturgeschichte. Hervorgegangen aus einer Stiftung von Henriette Hertz (1846–1913), zählt sie heute zu den Instituten der Geisteswissenschaftlichen Sektion der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. und zu den international führenden kunstwissenschaftlichen Forschungsstätten. Das Institut engagiert sich in der Ausbildung von herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durch zahlreiche Forschungsförderprogramme und stellt seine Forschungsressourcen von Bibliothek und Fotothek den Forschenden zur Verfügung. Die Fotothek, die diese Online-Ausstellung realisierte, gehört mit ihrem Bestand von über 870.000 Fotopositiven und digitalen Aufnahmen zur italienischen Kunst und Architektur von der Spätantike bis in die Gegenwart zu den führenden kunsthistorischen Fotoarchiven weltweit und führt regelmäßig Dokumentationsfotokampagnen mit modernster Technik durch.

Die Ausstellung Amatrice im Focus kann auf Deutsch, Italienisch, Englisch angesehen werden.

Francesco Gangemi ist Kunsthistoriker und war als Wissenschaftler an der Bibliotheca Hertziana – Max-Planck Institut für Kunstgeschichte und am Kunsthistorischen Institut in Florenz – Max-Planck-Institut tätig.
Rossana Torlontano unterrichtet Kuntgeschichte der Neuzeit an der Universität von Chieti-Pescara.
Valentina Valerio ist als Kunsthistorikerin bei der Sovrintendenza Capitolina ai Beni Culturali di Roma tätig.

Kontakt Kuratoren:

Kontakt Fotothek: Tatjana Bartsch

Kontakt Presse & Öffentlichkeitsarbeit: Marieke von Bernstorff

 

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